Viel zu früh ……. aber dafür gewaltig!!!

Gegen 4.30 Uhr haben wir uns für die Abreise aus dieser schönen Stadt in das nächste Land unserer Reise vorbereitet. Alles verstaut und Leinen los. Im Seekanal haben wir uns per Funk bei der Patrol Guast Guard ausklariert, das nächste Land und unseren Zielhafen benannt.

Vorbei an den riesigen Industrieanlagen des Seekanals lagen bereits zahlreiche Container – und Frachtschiffe die beladen wurden.

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Wie sollte es auch anders sein, einige hundert Meter vor der Mole wurde es eng. Ein riesiges Containerschiff musste sich mit uns die Fahrwasserrinne teilen und fuhr dann als „Hochhaus“ an uns vorbei, wobei wir seine Achterwellen kassierten – schönen Dank auch.

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Aber das sollte nicht die letzte Herausforderung des Tages werden, es kam noch schlimmer.

Die Hiobsbotschaft des Tages kam vom DMI ( dänischer Wetterdienst für Seefahrer ). Eine massive Gewitterfront sollte gegen 11.00 Uhr unser Seegebiet erreichen. Also alles an Tuch (Segel) hoch und direkten Kurs auf Lettland angelegt. Zwei Stunden früher als erwartet sahen wir bereits was auf uns zurollte, eine schwarze Wand mit heftigen Donnergrollen. Sofort die Maschine gestartet und keine Sekunde zu früh die Segel geborgen, denn da ging es auch schon los – das Inferno!

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Vor, neben und über uns zuckten die Blitze und schlugen unweit unserer Position ein, es mussten Hunderte gewesen sein. Aber es sollte noch schlimmer kommen!

Wie bei Gewitter zu erwarten – schnell drehende und dann in Sturmstärke einsetzende Windböen. In Bruchteilen von Sekunden veränderte sich die Situation. Die Selbststeueranlage stellte ihren Dienst ein da sie mit den Gewalten die nun herrschten nicht mehr klar kam, es wurde kritisch. Wir wurden von heftigen Sturmböen auf die Seite gedrückt und haben es nur unserer Maschine zu verdanken, das wir, während ich das Ruder übernahm, wieder in den Wind gehen konnten und somit das Schiff  wieder auf Kurs brachten. Dann schlug 200-300 Meter vor uns ein Blitz ein, der Knall war ohrenbetäubend. Ich duckte mich in die Plicht und steuerte von dort. Sekunden später setzte ein so heftiger Niederschlag ein, das die Sicht sofort auf Null ging und das kurz vor der Grenze, im teilweise gesperrten Gebiet. Schemenhaft konnten wir 2 litauische Marineschiffe erkennen und uns wurde sofort klar, die kontrollieren die Kurse der ausklarierten Schiffe. Jetzt wurde es noch schwieriger den Kurs gegen Wind, Welle und keine Sicht zu halten. Immer wieder mussten wir prüfen ob die Marine vor Anker liegt oder fährt – bei diesem Wetter auch keine leichte Aufgabe für den Navigator. Als wir endlich das lettische Hoheitsgewässer erreicht hatten, hatten wir zwar ein Sorge weniger, aber noch lange nicht alles im Griff.

Dauerregen auf den folgenden 30 sm sollte unser Begleiter werden. Segeln lag nun nicht mehr drin, zumal wir noch ein Sperrgebiet vor uns hatten. Nachdem sich die Situation etwas entspannt hatte, sollte sich der Navigator erst einmal in die Koje legen.

Während einer kleinen Regenpause ( 3-4 min) versorgte ich erstmal den Tank mit Treibstoff, zum Glück konnte der Autopilot seine Arbeit wieder verrichten und ich unter der Sprayhood einen geschützteren Bereich aufsuchen.

Jetzt haben wir unser Ziel Liepaja erreicht und gehen in die Koje – gute Nacht Wegbegleiter.

Wir werden morgen vom Hafen und der Stadt berichten.

Das schönste des Tages war der Sonnenaufgang – aber nicht dieses Inferno!

 

Tag 23 - Sonntag den 5.07.2015
Tag 25 - Dienstag den 7.07.2015

2 thoughts on “Tag 24 – Montag den 6.07.2015

  1. Oh weia, ihr Lieben, da bekommt man ja schon beim Lesen Gänsehaut! Gott sei dank, das ihr das überstanden habt – jetzt kann es ja nur besser werden! Weiterhin gute Fahrt

    1. Hallo Veronika, haben alles gut überstanden und schaffen es vielleicht morgen noch bis Venspils dann werden uns dort Starkwindtage im Hafen festhalten. Aber das wäre dann auch schon der letzte lettische Hafen bevor es nach Estland weiter geht .
      Ahoi und Grüße aus Lettland/Liepaja

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